Endlich mal wieder eine Sonnenfinsternis in Europa, mit dem eigenen Auto erreichbar! Es war offensichtlich, dass Millionen von Menschen in die Totalitätszone reisen würden, zur Hauptsaison im August. Deshalb hatten wir schon ein Jahr zuvor ein Hotel in Ribadeo an der spanischen Atlantikküste gebucht. Es war ein Kompromiss zwischen möglichem schlechten Wetter und maximaler Höhe der Sonne zur Finsternis von etwa 10° auf dem Festland. Und leider, die Wettervorhersage an der Küste war deprimierend, ja am Morgen der Finsternis gab es tatsächlich Nieselregen ohne Aussicht auf wirkliche Besserung.
Wir hatten uns in Ribadeo mit alten Freunden getroffen, mit denen wir auch schon 2024 die Sonnenfinsternis in den USA gesehen hatten. Und am Abend zuvor gesellte sich in der Diskussion was nun zu tun sei, ein sehr nettes Ehepaar aus Belgien zu uns. Die Entscheidung war klar. Nach einer schon so langen Anreise wollten wir die etwa 250 km nach León ins Hinterland fahren und nachts wieder zurück. Gestützt auf die Wettervorhersage an der gesamten Küste wollten wir jedes Risiko auf Wolken vermeiden. Ein befreundetes Ehepaar aus unseren Astroverein Carpe Noctem in Meckesheim war auf einem Campingplatz ebenfalls an der Küste. Auch sie würden sich uns nach León anschließen und ein neue Bekanntschaft vom Campingplatz als Verstärkung mitbringen. Und so landeten wir schließlich alle etwa 20 km westlich von León entfernt mit bester Sicht Richtung Sonnenuntergang,

wenn auch am Rand eines Industriegebiets. Allerdings gab es dort in der Fußnähe ein Restaurant, und so konnten wir uns am Nachmittag noch einmal gut stärken.

Und dann war es soweit. Die Vorbereitungen war getroffen, die Ausrüstung aufgebaut und getestet. Gegen 19:30 wanderte der Mond vor die Sonne. Die Sonnensichel wurde im Laufe der folgenden Stunde schmaler und schmaler. Und dann schienen letzte Strahlen für ein paar Sekunden durch Mondtäler. Protuberanzen funkelten plötzlich in leuchtendem Rot. Die Korona wurde sichtbar, die äußere Atmosphäre der Sonne. Ein extrem dünnes, heißes Plasma, das sich entlang der Magnetfeldlinien der Sonne Millionen von Kilometern weit in den Weltraum erstreckt. Hundert Sekunden voller Ergriffenheit. Urplötzlich war es vorbei, ein gleißender Lichtstrahl blendete und weitete sich aus. Und dann war die Sonne wieder da, eine schmale Sichel erschien und vergrößerte sich langsam. Und wir wussten, die lange Fahrt von unserem Hotel an der Küste nach León in Spanien hat sich gelohnt.
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Die Sequenz zeigt die Korona als HDR Aufnahme in 1 EV-Schritten von 1/1000 bis 1/2 Sekunde. Die Teile links und rechts der Korona dauern nur wenige Sekunden, links 12 und rechts 6 Sekunden.


